Otto  Falcken-
ber
Schule 

Labern übers eigene Land#2

16.03.2018 /
Konzept: Julia Nitschke und Caroline Kapp
Dramaturgie: Eva Busch
Produktion: Katrin Langner
Mentorin: Samira Yildirim

Labern über das eigene Land # ist eine Versammlung unter freiem Himmel in der Julia Nitschke und Caroline Kapp (stone collective) öffentlich Denken. /

Technisch umgesetzt wird diese Performance durch zwei Funkmikrofone, die die Sprecherinnen halten, während sie über den Platz laufen. Und zwei Lautsprecherboxen, die den Sound übertragen. /

„Wir befinden uns an einem Ort, der auch dafür bekannt ist, dass hier andere Menschen sich versammeln und ihre Gedanken austauschen. Gedanken die uns persönlich eher fern liegen und sich vor allem dadurch auszeichnen, dass es unreflektierte, rassistische und allgemein menschenverachtenden Inhalte sind. Inspiration und Ausgang für unsere Performance ist eine Rede von Joseph Beuys, die er kurz vor seinem Tod am 20. November 1985 in den Münchner Kammerspielen hielt. Sein Ziel war die Direkte Demokratie und detaillierter gesprochen sprach er sich aus für die Bedeutung der Sprache, plastische Theorie, sozialer Organismus, Umgestaltung der Gesellschaft und was er auch gesagt hat ist: ‚Demokratie ist lustig.‘ “ (Julia Nietzsche) /

„Was heißt labern? Entspanntes reden, vor sich hinreden, dabei geht es im Vergleich zum herkömmlichen Gespräch weniger um den Austausch spezifischer Informationen, als um den gemeinsamen Prozess, die verbrachte Zeit, oft auch um die gemeinsame Begeisterung für oder auch Ablehnung von einer Sache. Labern ist eine höchst soziale Angelegenheit, eng verwandt mit dem sogenannten „Rumhängen“. Labern bedeutet nicht, eine klare Kritik zu formulieren, labern will etwas anderes. Es können darin kritische Gedanken vorkommen, aber labernde Menschen umkreisen das Sujet vielmehr, verlassen es, nehmen es wieder auf, anstatt es direkt anzupeilen. Dabei können unerwartete, assoziative inhaltliche Bezüge entstehen, die mitunter ein gänzlich neues Bild von einem Phänomen hervorbringen. In unserer heutigen Welt gehört zum Labern und Rumhängen für viele auch das Smartphone, über das Wikipedia-Einträge, Spotify-Hits oder anderes, von den Labernden eingebracht werden und somit den Gesprächsverlauf durch weitere Unbekannte beeinfussen und anreichern. /

Können es sich alle leisten, die Möglichkeit, mit einem Mikrofon den Marienplatz zu beschallen mit Labern zu füllen? Wie privilegiert muss man sein, um diese Zeit zum Labern zu nutzen… gibt es nicht brennendere Themen? Inszeniert die Arbeit also eine sichere, privilegierte, nicht wirklich von den besprochenen Problemen betroffene Sprecher*innenposition? Könnten betroffene Menschen über ihre Anliegen labern?“ (Eva Busch)